Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

Frederik Schlupkothen

An das Thema „Dokument“ lassen sich kulturwissenschaftlich und technisch viele Fragen anschließen, die oft unabhängig voneinander behandelt werden. Der Rahmen des Graduiertenkollegs soll genutzt werden, um von technischer Seite auch kulturwissenschaftliche Themen mit dem Ziel einer technischen Modellierung für editionswissenschaftliche Fragen anzugehen.


Für die Begriffsbildung sogenannter strukturierter Dokumente wird ein Dokument als eine Menge an Information, die als Einheit ausgetauscht werden kann, angesehen. Dabei werden mit französischer Theoriebildung drei Sichtweisen für diese Einheit unterschieden:

  • die Formsicht („vu“) mit der Leitfrage: Wie nimmt ein Beobachter ein Dokument mit seinen Sinnen wahr?
  • die Inhaltssicht („lu“) mit der Leitfrage: Wie erfasst ein Beobachter als kognitiver Agent ein Dokument?
  • die mediale Sicht („su“) mit der Leitfrage: Wie nutzt ein Beobachter als Mitglied einer Kommunikationsgemeinschaft ein Dokument?

Aus technischer Perspektive widmet sich die Formsicht insb. der logischen Dokumentenbeschreibung für ggf. unterschiedlich layoutierte Ausgaben. Wichtige Grundlagen liefern dazu standardisierte Beschreibungssprachen wie bspw. HTML, SVG oder CSS. Die Inhaltsicht widmet sich der Erschließung eines Dokuments und setzt auf Seiten eines Editors Fachkompetenzen voraus, die aus den beteiligten Kulturwissenschaften erwachsen. Eine technische Unterstützung der Erschließung kann bspw. durch Metadatenerzeugung erfolgen. Die mediale Sicht widmet sich der i. Allg. kontextabhängigen Nutzung eines Dokuments, welche bspw. durch Kommentare und Erläuterungen von Dokumenten und ihren Teilen unterstützt werden kann. Die separate und möglichst allgemeine Behandlung dieser Sicht ist bislang aus technischer Perspektive nicht ausgearbeitet und soll im Rahmen des Graduiertenkollegs verfolgt werden.

zuletzt bearbeitet am: 27.05.2016

Weitere Infos über #UniWuppertal: