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Christian Thomé

E-Mail: thome[at]uni-wuppertal.de

Raum: LS.04.16
Anschrift:
Bergische Universität Wuppertal
Laurentiusstraße 21
42103 Wuppertal

Forschungsprojekt

Euklids Phaenomena. Überlieferungsgeschichte, Textkritik, Übersetzung, Erläuterung.

Verteidigt im Jahr 2024, noch nicht publiziert.

Betreuung: Prof. Dr. Thomas Riesenweber, Jun.-Prof. Dr. Stefan Weise

Der griechische Mathematiker Euklid von Alexandria lebte im dritten vorchristlichen Jahrhundert. Er ist vor allem bekannt für sein Werk Elemente, welches in 13 Büchern verschiedene Bereiche der Mathematik abdeckt. Die heutige (Schul-)Mathematik speist sich zu einem beträchtlichen Teil aus diesem Werk; auch sind Begriffe wie „euklidische“ bzw. „nichteuklidische“ Geometrie weithin bekannt. Zu seinen kleineren Schriften gehören die Phaenomena, die auf Erkenntnissen aufbauen, die in den Elementen überliefert sind. Mit „Phaenomena“ sind im engeren Sinne Erscheinungen des Himmels gemeint, d.h. zunächst die Bewegungen der auf einer Himmelskugel fixierten Sterne (daher „Fixsterne“) um die Erde herum.

Trotz des überwältigenden Einflusses Euklids ist der Bedarf an Forschung auch im Hinblick auf die Herstellung des griechischen Euklidtextes immer noch groß. So ist teils umstritten, inwieweit mittelalterlichen Manuskripte den ursprünglichen Text wiedergeben; für einige Passagen wurde die Autorschaft Euklids bezweifelt. Die Phaenomena liegen uns als letzter und spätester Band einer Gesamtausgabe (mit lateinischer Übersetzung) von Johan Ludvig Heiberg und Heinrich Menge vor (Euclidis opera omnia, 1883–1916). Eine neue kritische Edition ist seitdem nicht erschienen, und die textkritische Forschung ist insgesamt überschaubar geblieben. Zudem sind grundlegende Auffassungen der damaligen Herausgeber über die Überlieferungsgeschichte einiger Euklid-Texte am Ende des vergangenen Jahrhunderts in Zweifel gezogen worden. Gleichzeitig fordern Mathematikhistoriker, dass man nicht nur den Text, sondern auch die geometrischen Zeichnungen, die die Handschriften bieten, genauer untersucht.

Mein Projekt bestand also v.a. in einer neuen Untersuchung der Handschriften und einem textkritischen Stellenkommentar. Darüber hinaus bietet das Buch eine auch für Laien verständliche Einführung in die nicht-trigonometrische, aber durchaus komplexe mathematische Astronomie der Phaenomena. Die Diagramme werden ausführlich diskutiert und in Anlehnung an die antike Arbeit mit Armillarsphären in perspektivische Zeichnungen umgesetzt. Die Übersetzung ins Deutsche enthält z.T. Textteile, die bisher nicht einmal ins Lateinische übertragen wurden.

Für weitere Forschung in diesem heute vergessenen Zweig der Mathematik soll auf diese Weise ein Grundstein gelegt werden.

Biographie

seit 2025: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bergischen Universität Wuppertal im DFG-Projekt Erstellung der Editio Critica Maior der neutestamentlichen Schrift "An die Hebräer“.

2024: Verteidigung einer Dissertation, die als Kollegiat des Graduiertenkollegs „Dokument – Text – Edition“ der Bergischen Universität Wuppertal und der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel erstellt wurde.

2020: Zweites Staatsexamen in Griechisch, Latein und Geschichte.

2019: 1. Staatsexamen in Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

2018: 1. Staatsexamen in Klassischer Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

2014: MSt University of Oxford.

zuletzt bearbeitet am: 10.02.2026